Auf der bestehenden Gestaltung aufgebaut

Wie dem Umbau eines Hauses vergleichbar muss die Gestaltung nicht nur ästhetischen Ansprüchen, sondern baulichen und finanziellen Möglichkeiten gerecht werden wie auch Normen und Auflagen erfüllen.

Mal abgesehen von der kindgerechten Bemalung aus der Kinderbibliotheksnutzung liegt dem ehemaligen Postauto mit dem Jahrgang 1973 ein spezieller Stil an Äusserlichkeit zu Grunde. Das sehr kantige und damit eher technisch wirkende Fahrzeug erinnert mehr an die Achtzigerjahre. Wohl waren die damaligen Busaufbauten ihrer Zeit etwas voraus. Die für abgerundete Formen stehenden Sechziger- und Siebzigerjahre sind beim Modell 3DUK-50 nur noch bei den Fenstern ersichtlich.

Zusätzliche Gestaltungselemente treten zwangsläufig mit dem bestehenden Stil und dessen Formen in Interaktion. Diesen Stil wollten wir nicht blindlings nachahmen, vielmehr war uns die Transformation in die aktuelle Zeit ein zentrales Anliegen. Mit einer sanften Modernisierung sollen alte Formen aufgefrischt werden.

Zurückhaltung bringt den Inhalt stärker zum Tragen

Die Farbgebung aussen richtet sich konzeptuell danach, dass der Inhalt das eigentliche, im Fokus stehende Gut sein soll. Die mitfahrenden Personen mit ihren vielfältigen Ideen stehen im Zentrum. Analog dazu soll die Hülle in den Hintergrund treten, soweit dies bei der Grösse des Fahrzeugs möglich ist. Der Aussenanstrich soll daher als gebrochenes Weiss zeitlos, universell und frisch wirken.

Schlichtheit und Zurückhaltung bei der Farbgebung aussen fördert unserer Ansicht nach die technische Struktur zu Tage. Schwarze Türrahmen- oder graue Fenster-Gummis sind unveränderlich, weil sie nicht beliebig ersetzbar bzw. auf dem Restpostenmarkt vorrätig sind. Diese gegebenen Farbelemente sehen wir als eine Art «Gitternetz»: es hebt die technischen Strukturen hervor.

Wohnlichkeit und Funktion

Der Innenraum soll durch Wohnlichkeit und Funktion bestechen. Es reihen sich drei unterschiedlich nutzbare Bereich aneinander: Fahrgastraum, Werkbereich / Küche, Schlafplätze / Lounge. Um mit dem Fahrer in direktem Kontakt zu stehen, sind die Passagiersitze unmittelbar anschliessend positioniert. Dahinter schliesst sich ein Werkbereich mit Ablagemöglichkeiten, Spülbereich und Kochnische an. Am Ende des Fahrzeugs befinden sich die tagsüber als Lounge nutzbaren Schlafgelegenheiten.

Holz als grosszügig verwendetes Baumaterial überzeugt mit angenehmer Haptik und bringt ein natürliches Element hinein.1 Der Boden wird bis auf die bestehenden hölzernen Platten abgebaut und mit einem klaren Decklack versehen. Eine Standheizung sorgt für wohlige Wärme, wenn die Temperaturen tief liegen. Eine Vielzahl an Geräten bereitet Komfort, aber keinen Luxus: Kühlschrank, Gasherd, Spüle, mobile Toiletten, Musikanlage, um nur einige zu nennen. In der Küche ist von der Tasse bis zu den Tellern alles griffbereit und für die Fahrt einfach verstaubar. Insofern sind die wichtigsten Funktionen abgedeckt. Wir gehen davon aus, dass kreative Spontanlösungen auch unterwegs noch gefunden werden, sollte es weiteren Bedarf geben.

Gegenüber einem Atelier, Büro oder einer richtigen Wohnung ist der Fahrzeuginnenraum sehr limitiert und die Aufteilung muss entsprechend optimiert sein. Im Vergleich zu einem kleinen PW-Bus fallen hingegen die grosszügigen Raummasse auf.

Unser Credo: Wohnlichkeit und Zweckmässigkeit müssen sowohl Funktion wie Ästhetik harmonisch ergänzen.


1 Einen inspirierenden Einfluss auf uns hatte das Bus-Umbauprojekt von Architekt Hank Buttita: www.hankboughtabus.com.